Wir freuten uns sehr darauf, ein Interview mit einem hierzulande zwar unbekannteren, aber äusserst innovativen Trainer und einer grossen Inspirationsquelle für die aktive Patientenarbeit führen zu dürfen. Sein Name ist Koichi Sato. Letztes Monat war es dann soweit. Lest selbst. Wir freuen uns auf Kommentare.

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Koichi Sato (All rights reserved)
  1. Koichi, vielen Dank für Deine Zeit! Kannst Du unseren Lesern kurz erzählen wer Du bist?

K: Hallo allerseits. Ich bin Sportdirektor der Japan Basketball Association (JBA). Ich betreue dort das Athletentraining und die gesamte Sport und S&C-Abteilung für Nationalmannschaften, Jugend- und Trainerentwicklung. Ich wollte schon immer eine Gruppe zusammenstellen, in der Athletiktrainer und Sport- /      S & C-Trainer nahtlos zusammenarbeiten. Daher ist es großartig, dies mit JBA zu tun.

Nach dem Abitur in Japan, wo ich ein Studium der Sowjet- und Osteuropastudien absolvierte, zog ich in die USA, um meine Karriere als Trainer zu verfolgen. Ich besuchte die Eastern Illinois University und absolvierte dann meinen Master in Biomechanik an der Arizona State University (ASU). Ich war 9 Jahre lang bei ASU und habe mit so ziemlich allen Sportarten gearbeitet, bis ich nach Kalifornien gezogen bin, um für Athletes ‘Performance (jetzt EXOS) zu arbeiten. Anschliessend war ich mit Levi Jones von den Cincinnati Bengals für ein Jahr als Personal Trainer aktiv. Dann erhielt ich einen Anruf der Washington Wizards für ihre Position als Rehabilitationskoordinator. Ich verbrachte 5 Jahre bei den Wizards, bevor ich bei den Minnesota Timberwolves, bei denen ich 3 Jahre war, eine Position als Direktor für Sport und Training antrat. Dann bin ich nach Japan zurückgekehrt.

2. Wie hast Du Dich in Deiner Laufbahn zum Trainer entwickelt? Kannst Du etwas über Schlüsselerlebnisse oder große Einflüsse auf Dich erzählen?

K: Meine Erfahrungen bei EXOS mit Vasso Chronis und Omi Iwasaki bildeten mein Fundament als S&C Trainer. Ich hatte die Chance über eine Internship bei den Chicago White Sox (Minor League), sehr eng mit deren Trainern zu arbeiten während ich an der ASU war. Ich lerne immer noch konstant im Bereich des Athletiktrainings und des Kraft-und Konditionstrainings weiter und fühle mich sehr stark von Athleten und Trainern umgeben, was essenziell für meine Aufgaben bei der JBA ist.

3. Was ist Deiner Meinung nach denn die Aufgabe eines Trainers bei Semiprofessionellen oder Professionellen Sportmannschaften?

K: Anpassungsfähig auf die Sportler und Athleten zu reagieren. Das arbeiten ‘mit’, nicht ‘für’ Athleten. Anpassungsfähigkeit ist Deine Fähigkeit, mit unterschiedlichen Charakteren und Athleten mit unterschiedlichem Trainingshintergrund arbeiten zu können, was nicht immer mit Deinem persönlichen Glauben oder Deiner Trainingsphilosophie einhergeht. Wenn Du mit einer Jugendgruppe oder jungen Profisportlern zusammen bist, ist es vielleicht in Ordnung, wenn Du eine Mentalität wie “Ich sage ihnen was sie tun sollen” benutzt. Wenn Du jedoch mit Elitesportlern oder Erwachsenen zusammenarbeitest, arbeitest Du “mit ihnen” zusammen. Der Aufbau einer Partnerschaft ist nicht nur für Athleten von Vorteil, sondern auch für Dich, damit Du aus dieser Partnerschaft etwas lernen kannst. Du musst vorsichtig sein, um nicht “für” Sportler zu arbeiten. Einige haben Angst, von Athleten “nicht gemocht” zu werden, so dass sie sich quasi zu besseren Dienern degradieren und im Grunde „dem Sportler den ***** küssen“. Du musst anpassungsfähig sein, aber du darfst Dein Fundament und Deinen Glauben nicht verlieren oder verbiegen lassen, sonst wirst du es definitiv bereuen.

4. Menschen die Dir auf sozialen Medien folgen, können viele Videos von Übungen mit Dir sehen. Arbeitest Du denn mit “Patienten” und was beschreibt Deine Art dabei am Besten?

K: Ich denke, die Leute interessieren sich oft für meine Übungen in Lateral/Transversalen Ebenen, d. H. beispielsweise Lateral- und Rotationskniebeugen. Diese Übungen eignen sich nicht nur bei der sportlichen Vorbereitung, sondern auch zur Schmerzlinderung. Ich habe die Hintergründe von Rotationskniebeugen z.B. von Vasso Chronis gelernt. Seitliche Kniebeugen sind keine neue Übung, aber ich benutze laterale verschiedene Belastungen mit einem Seilzug oder Gummiband als Vorbereitung für die seitliche Bewegung im Sport. Als ich mit Craig Liebenson und einem Klienten mit einer Knöchelverletzung zusammenarbeitete, entschied ich mich ebenfalls nach der körperlichen Untersuchung, diese Übungen als erste Option der Schmerzbehandlung zu verwenden, anstatt den Knöchel des Klienten zu berühren, so arbeitet Craig ja bekanntlich auch mit seinen Patienten. In meinem Kopf dachte ich zwar: “Ich würde jetzt eigentlich zuerst seine Knöchel manuell mobilisieren, aber ich bin in Craigs Büro, also lass uns zuerst eine Übung machen und sehen, was dann passiert.” Ich führte den Patienten durch die Übungen, und der Schmerz war quasi weg. Ich war wirklich überrascht, tat aber so, als hätte ich das genau so erwartet.

Ich nenne meinen Ansatz “reflexives Training”, da mein Ziel darin besteht, die Funktion des Körpers reflexiv wiederherzustellen, ohne den Klienten zu sagen, was sie tun sollen, bspw. verwende ich zum Auslösen von Reflexen eben Belastung. Das Belasten der frontalen- und transversalen Ebenen sowie das Verbinden von Händen und Füßen durch den Rumpf sind hierbei Schlüsselfaktoren für mich.

5. Viele Übungen die Du in Deinen Videos zeigst, erinnern mich an Elemente aus dynamischer neuromuskulärer Stabilisation (DNS). Was ist Deine Meinung über diese Behandlungsphilosophie und was sind Deine Erfahrungen damit?

K: Ja, ich bin sehr stark von DNS beeinflusst aber lasse mich dadurch nicht limitieren. Einige Schlüsselpunkte bei DNS sind Atmung und thorakale Mobilität, Gelenkstellungen, und die Beziehungen der Unterstützungsfläche darauf. Interessanterweise überschneiden sich hier viele Therapiekonzepte. Atme vollumfänglich, Positioniere Gelenke sinnvoll und versuch soliden Kontakt mit dem Boden herzustellen – Dann bewege Dich. Wenn Du das kannst, bewege entweder schwerere Lasten oder steigere die Geschwindigkeit. Für gewöhnlich macht Dich das besser.

6. Viele Trainer sprechen von der Wichtigkeit das der Rumpf eine stabile Basis für die mobilen Extremitäten bilden muss. Verwendest Du solch grundlegende Ansichten, vor allem wenn es um die Analyse von Patienten oder Athleten mit Schmerzen geht?

K: Ja. Diesen Ansatz verfolge ich ebenso, allerdings befürworte ich stark das eine flexible Wirbelsäule und ein beweglich/robuster Rumpf wichtiger ist als ein steifer. Für gewöhnlich kategorisiere ich Rumpfstabilität in Hart und Weich. Harter Rumpf bedeutet für mich das was z.B. Stuart McGill fordert. Den Rumpf mit dementsprechenden Übungen und Hilfestellungen steifer zu machen. Weicher Rumpf bedeutet für mich den DNS – Weg zu gehen. Eben reflexiv die Rumpffunktion trainieren.

7. Hast Du zum Abschluss noch Wünsche, was sich Deiner Meinung nach beim Athletentraining oder der Behandlung von Menschen die an Schmerzen leiden, ändern muss?

K: Weniger passive Maßnahmen und sehr viel mehr aktive Arbeit. Klar, manche Gelenke benötigen vielleicht etwas manuelle Techniken um sie beweglich zu machen, aber der Körper ist für Bewegung gemacht – also soll er sich selbst bewegen. Ebenso ist mir wichtig, das das gesamte Spektrum von früher Rehabilitation über die Rückkehr zu leichter Aktivität bis zu athletischen Meisterleistungen  zu verfolgen. Es ist nichts falsch daran schwere Gewichte zu heben, selbst wenn Du das im täglichen Leben nicht sehr oft mit vergleichbaren Kg machst.

Vielen Dank, Koichi!

Koichi bei den Minnesota Timberwolves – LINK

Koichi Sato bei Facebook

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